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KostenlosDas Märchen von Blindekuh
Paul Heyse
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Es war einmal ein kleiner königlicher Kuhjunge, der hieß John und hatte Sonntag wie Werktag ein Stückchen Hemd hinten aus der Hose hängen. Deshalb nannten ihn die Kammerjungfern und Lakaien nur den Kuhjohn mit dem Hemdzipfel, und das kränkte ihn sehr, denn er konnte es nun einmal nicht ändern. Als seine liebe Mutter im Sterben lag, hatte sie ihm eingeschärft, er solle am Hofe nur immer recht respektvoll sein, dann werde es ihm schon gut gehen. Er merkte sich das und war erstaunlich respektvoll, den ganzen Tag bis spät in die Nacht, wenn er sich auf dem Heuboden schlafen legte. Da ging es ihm denn auch wirklich recht gut, wenigstens für einen Kuhjungen.
Denn oben auf dem Boden hatte er an der Dachluke ein Nest entdeckt, in dem eine Spatzenfamilie wohnte, die bei ihm Kostgänger war. „Ei“, dachte er, wenn er ihnen Brotkrümchen streute, „so gibt es doch auch Leute, die vor mir Respekt haben!“ Außerdem hatte er gute Freundschaft mit der alten Melkmarei geschlossen, die ihm oft eine Brotsuppe kochte, denn das war eigentlich ihre Spezialität, und selbst des Großmoguls Koch hätte es nicht besser gekonnt. Nebenbei aber war die Melkmarei eine richtige Hexe, und kein Mensch wusste es, auch der kleine Kuhjohn nicht.

Der König, dem der Kuhstall gehörte, hieß Grobianus und hatte eine wunderschöne Tochter, die Naserümpfchen genannt wurde. Wenn der kleine Kuhjohn der Prinzessin ansichtig wurde, hatte er zehnmal so viel Respekt wie sonst, und noch viel mehr als vor ihrem Vater, denn der gab sich mit all seinen Leuten so gemein und hatte ihm selbst einmal eigenhändig einen Fußtritt versetzt. So etwas fiel Naserümpfchen nicht ein; sie zuckte nur immer die Achseln und sagte zu allem, was ihr nicht passte, auf Französisch: „Puh!“
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Es war einmal ein kleiner königlicher Kuhjunge, der hieß John und hatte Sonntag wie Werktag ein Stückchen Hemd hinten aus der Hose hängen. Deshalb nannten ihn die Kammerjungfern und Lakaien nur den Kuhjohn mit dem Hemdzipfel, und das kränkte ihn sehr, denn er konnte es nun einmal nicht ändern. Als seine liebe Mutter im Sterben lag, hatte sie ihm eingeschärft, er solle am Hofe nur immer recht respektvoll sein, dann werde es ihm schon gut gehen. Er merkte sich das und war erstaunlich respektvoll, den ganzen Tag bis spät in die Nacht, wenn er sich auf dem Heuboden schlafen legte. Da ging es ihm denn auch wirklich recht gut, wenigstens für einen Kuhjungen.
Denn oben auf dem Boden hatte er an der Dachluke ein Nest entdeckt, in dem eine Spatzenfamilie wohnte, die bei ihm Kostgänger war. „Ei“, dachte er, wenn er ihnen Brotkrümchen streute, „so gibt es doch auch Leute, die vor mir Respekt haben!“ Außerdem hatte er gute Freundschaft mit der alten Melkmarei geschlossen, die ihm oft eine Brotsuppe kochte, denn das war eigentlich ihre Spezialität, und selbst des Großmoguls Koch hätte es nicht besser gekonnt. Nebenbei aber war die Melkmarei eine richtige Hexe, und kein Mensch wusste es, auch der kleine Kuhjohn nicht.
Der König, dem der Kuhstall gehörte, hieß Grobianus und hatte eine wunderschöne Tochter, die Naserümpfchen genannt wurde. Wenn der kleine Kuhjohn der Prinzessin ansichtig wurde, hatte er zehnmal so viel Respekt wie sonst, und noch viel mehr als vor ihrem Vater, denn der gab sich mit all seinen Leuten so gemein und hatte ihm selbst einmal eigenhändig einen Fußtritt versetzt. So etwas fiel Naserümpfchen nicht ein; sie zuckte nur immer die Achseln und sagte zu allem, was ihr nicht passte, auf Französisch: „Puh!“Eines Tages ging sie gerade am Kuhstall vorbei und bekam Lust, die Nase hineinzustecken. Der kleine Kuhjohn machte gerade dem lieben Vieh die Streu und war so geschäftig, dass ihm sein Hemdzipzelchen fleißig hin und her wackelte. Als er die Prinzessin in der Stalltür stehen sah, zog er in aller Eile seine Kappe und präsentierte seine Mistgabel nach Art der Soldaten. Darüber fing Naserümpfchen laut an zu lachen und sagte: „Puh! Es ist doch entsetzlich muffig hier. Ach, und der kleine Kuhjohn mit dem Hemdzipfel ist ein rechter Mistfink!“ – Zufällig saß die Melkmarei auch im Stall und hörte das alles. Das aber griff ihre Ehre an, denn der Kleine war ihr Freund, und für den Stall hatte auch sie zu sorgen. Da wurde sie so zornig, dass sie ihren Topf mit Brotsuppe Naserümpfchen über den Kopf goss und dabei den folgenden Hexenspruch sagte:
Panorama Diorama Spargnapani Cosmorama. Naserümpfchen, werde zu Einer weißen Blindekuh! Sollst so lang vierfüßig laufen, Bis du einen ganzen Haufen Von Kuhblumen aufgefressen Und den Hochmut hast vergessen. Will sich dann ein Mensch mit Grämen Dein Geschick zu Herzen nehmen, Dass er den Verstand verliert, Dann ist Blindekuh kuriert. Hokuspokus, Naserümpfchen Mit den weißen Kuhhaarstrümpfchen! Maccaroni Melodrama Capuletti Monodrama!
Sie war kaum damit fertig, da war auch die Verwandlung schon vollendet, und statt der schönen Prinzessin stand eine gar zierliche weiße Blindekuh vor dem Stall. Die Melkmarei ging hustend und schmunzelnd ihrer Wege und warf kaum noch einen Blick auf das arme verwunschene Naserümpfchen. Aber der kleine Kuhjohn bekam einen so gewaltigen Schreck, dass ihm die Mistgabel aus der Hand fiel. Darauf überlegte er, ob es wohl gegen den Respekt wäre, wenn er zur Prinzessin ginge und sich erkundigte, ob er ihr helfen könne. Er tat es endlich und sagte ganz sanft: „Königliche Hoheit, befehlt nur, was Ihr von mir wollt; ich bin Euer untertäniger Diener.“ – Die arme Blindekuh konnte zuerst nichts weiter antworten als „Muh!“ – und da erschrak der Kleine wieder, denn es klang ihm fast wie ihr gewöhnliches „Puh!“ Dann aber kam die Prinzessin wieder zur Besinnung und sagte ganz verständlich: „Ach lieber Freund!
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Eines Tages ging sie gerade am Kuhstall vorbei und bekam Lust, die Nase hineinzustecken. Der kleine Kuhjohn machte gerade dem lieben Vieh die Streu und war so geschäftig, dass ihm sein Hemdzipzelchen fleißig hin und her wackelte. Als er die Prinzessin in der Stalltür stehen sah, zog er in aller Eile seine Kappe und präsentierte seine Mistgabel nach Art der Soldaten. Darüber fing Naserümpfchen laut an zu lachen und sagte: „Puh! Es ist doch entsetzlich muffig hier. Ach, und der kleine Kuhjohn mit dem Hemdzipfel ist ein rechter Mistfink!“ – Zufällig saß die Melkmarei auch im Stall und hörte das alles. Das aber griff ihre Ehre an, denn der Kleine war ihr Freund, und für den Stall hatte auch sie zu sorgen. Da wurde sie so zornig, dass sie ihren Topf mit Brotsuppe Naserümpfchen über den Kopf goss und dabei den folgenden Hexenspruch sagte:
Panorama Diorama Spargnapani Cosmorama. Naserümpfchen, werde zu Einer weißen Blindekuh! Sollst so lang vierfüßig laufen, Bis du einen ganzen Haufen Von Kuhblumen aufgefressen Und den Hochmut hast vergessen. Will sich dann ein Mensch mit Grämen Dein Geschick zu Herzen nehmen, Dass er den Verstand verliert, Dann ist Blindekuh kuriert. Hokuspokus, Naserümpfchen Mit den weißen Kuhhaarstrümpfchen! Maccaroni Melodrama Capuletti Monodrama!
Sie war kaum damit fertig, da war auch die Verwandlung schon vollendet, und statt der schönen Prinzessin stand eine gar zierliche weiße Blindekuh vor dem Stall. Die Melkmarei ging hustend und schmunzelnd ihrer Wege und warf kaum noch einen Blick auf das arme verwunschene Naserümpfchen. Aber der kleine Kuhjohn bekam einen so gewaltigen Schreck, dass ihm die Mistgabel aus der Hand fiel. Darauf überlegte er, ob es wohl gegen den Respekt wäre, wenn er zur Prinzessin ginge und sich erkundigte, ob er ihr helfen könne. Er tat es endlich und sagte ganz sanft: „Königliche Hoheit, befehlt nur, was Ihr von mir wollt; ich bin Euer untertäniger Diener.“ – Die arme Blindekuh konnte zuerst nichts weiter antworten als „Muh!“ – und da erschrak der Kleine wieder, denn es klang ihm fast wie ihr gewöhnliches „Puh!“ Dann aber kam die Prinzessin wieder zur Besinnung und sagte ganz verständlich: „Ach lieber Freund!So kann ich mich doch nirgends sehen lassen; also sei so gut und führe mich weg, irgendwohin; denn ich fühle wohl, ich bin eine abscheuliche Kuh geworden, und blind wie ich bin, weiß ich auch nicht Weg und Steg.“ – Das rührte den Kleinen; er sagte, er werde gleich wieder da sein, und stieg hinauf in den Heuboden, um ein wenig Heu zu holen und es um ihre Hörner zu wickeln, damit sie nicht so drückten. Wie er bei seiner Spatzenfamilie vorbeikam, riefen die kleinen Vögelchen:
Bitte bitt, Nimm uns mit, Liebster Kuhjohn! Verdienst dir Gotteslohn.
Da nahm er das ganze Nest mit und befestigte es zwischen den Hörnern der Blindekuh auf dem Heu. „Es ist zwar eigentlich gegen den Respekt“, dachte er, „aber sie sieht es ja nicht.“ Darauf holte er noch eine lange Schnur, bat die Prinzessin, das eine Ende in den Mund zu nehmen, und so führte er sie von dannen, die Landstraße entlang, die durch den dicken, dicken Wald läuft.
Nun ging die Blindekuh gesenkten Hauptes fürbaß, denn sie war sehr betrübt. Der kleine Kuhjohn schritt auch ganz verlegen nebenher und wusste sich nicht recht zu benehmen. „Es ist doch eigentlich gegen den Respekt“, sagte er sich, „dass ich die Prinzeß so an der Nase herumführe.“ – Aber es half nun einmal nichts. Wenn die Fliegen und Bremsen kamen und die Blindekuh stechen wollten, hätte er sie gern mit seinem Taschentuch weggejagt. Das ging aber nicht an; einmal besaß er keins, und dann hätte er ja die Prinzessin schlagen können, und es war ein Glück, dass er seine Spatzen bei sich hatte, denen rief er leise:
Fangt, liebe Spatzen, Die Gnitzen und Gnatzen, Die Fliegen und Mücken Von Prinzess Naserümpfchens Rücken!
Da waren die Vögel flink hinterher und schnappten das Geziefer alles weg.

Dabei schaute der kleine Kuhjohn beständig um sich, ob er keine Kuhblume entdecken könne. Leider waren sie in dem Jahr gerade schlecht geraten und fanden sich nur hier und da am Weg. Nun durfte der Kleine aber die Leine nicht loslassen, an der er die Prinzessin führte, rief also wieder den Vögeln:
Liebe Spatzen, pflückt geschwind Gelbe Blumen, so viel da sind! Bringt sie her mit Stengel und Stümpfchen; Heilsam sind sie Naserümpfchen.
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So kann ich mich doch nirgends sehen lassen; also sei so gut und führe mich weg, irgendwohin; denn ich fühle wohl, ich bin eine abscheuliche Kuh geworden, und blind wie ich bin, weiß ich auch nicht Weg und Steg.“ – Das rührte den Kleinen; er sagte, er werde gleich wieder da sein, und stieg hinauf in den Heuboden, um ein wenig Heu zu holen und es um ihre Hörner zu wickeln, damit sie nicht so drückten. Wie er bei seiner Spatzenfamilie vorbeikam, riefen die kleinen Vögelchen:
Bitte bitt, Nimm uns mit, Liebster Kuhjohn! Verdienst dir Gotteslohn.
Da nahm er das ganze Nest mit und befestigte es zwischen den Hörnern der Blindekuh auf dem Heu. „Es ist zwar eigentlich gegen den Respekt“, dachte er, „aber sie sieht es ja nicht.“ Darauf holte er noch eine lange Schnur, bat die Prinzessin, das eine Ende in den Mund zu nehmen, und so führte er sie von dannen, die Landstraße entlang, die durch den dicken, dicken Wald läuft.
Nun ging die Blindekuh gesenkten Hauptes fürbaß, denn sie war sehr betrübt. Der kleine Kuhjohn schritt auch ganz verlegen nebenher und wusste sich nicht recht zu benehmen. „Es ist doch eigentlich gegen den Respekt“, sagte er sich, „dass ich die Prinzeß so an der Nase herumführe.“ – Aber es half nun einmal nichts. Wenn die Fliegen und Bremsen kamen und die Blindekuh stechen wollten, hätte er sie gern mit seinem Taschentuch weggejagt. Das ging aber nicht an; einmal besaß er keins, und dann hätte er ja die Prinzessin schlagen können, und es war ein Glück, dass er seine Spatzen bei sich hatte, denen rief er leise:
Fangt, liebe Spatzen, Die Gnitzen und Gnatzen, Die Fliegen und Mücken Von Prinzess Naserümpfchens Rücken!
Da waren die Vögel flink hinterher und schnappten das Geziefer alles weg.
Dabei schaute der kleine Kuhjohn beständig um sich, ob er keine Kuhblume entdecken könne. Leider waren sie in dem Jahr gerade schlecht geraten und fanden sich nur hier und da am Weg. Nun durfte der Kleine aber die Leine nicht loslassen, an der er die Prinzessin führte, rief also wieder den Vögeln:
Liebe Spatzen, pflückt geschwind Gelbe Blumen, so viel da sind! Bringt sie her mit Stengel und Stümpfchen; Heilsam sind sie Naserümpfchen.Da flogen die Spatzen wieder gar eifrig nach den Blumen, bissen sie ganz unten ab mit ihren scharfen Schnäbeln und brachten sie ihrem Herrn. Der sagte ganz leise „Brrrr!“ und fragte dann die Prinzessin, ob sie die Kuhblumen wohl aus seiner Hand essen wolle; einen Teller habe er leider nicht, aber sie seien ganz appetitlich und sauber. Die Blindekuh erwiderte: „Danke schön, und mach nur keine Umstände!“ Darauf fraß sie die Blumen betrübt in sich hinein und ging weiter, und das wiederholte sich, sooft die Vögel einige zusammengeholt hatten. „Ach“, dachte der Kuhjohn, „zu einem Haufen ist es doch zu wenig! Und wie soll ich es nun gar anfangen, mein bisschen Verstand zu verlieren? O die böse Melkmarei! Ich hätte ihr so etwas nimmer zugetraut.“ – In solchen Gedanken machte er die Reise niedergeschlagen weiter, und sein Hemdzipfel wedelte wehmütig hinterdrein.
Der König Grobianus aber, als er merkte, dass seine Tochter verschwunden war, geriet in einen kirschbraunen Zorn und ließ sogleich nachforschen, wie es wohl zugegangen sein könnte. Da fand sich denn, dass der kleine Kuhjohn auch vermisst wurde, und der König kam auf den Verdacht, der Kleine habe die Prinzessin entführt, worüber er sehr grob wurde. Er schickte sogleich eine Menge Soldaten nach allen Richtungen aus, um die Entflohenen zu suchen, und ließ von allen Türmen Sturm läuten, damit der Skandal in der Stadt noch lauter würde als die skandalöse Entführung. Die Soldaten fanden auch nichts; denn als der eine Trupp den Weg entlangkam, den die Blindekuh mit ihrem Gefolge eingeschlagen hatte, hörte die Prinzeß schon von ferne das Pferdegetrappel und flüsterte ihrem Führer ängstlich zu: „Ach, das sind meines Vaters Reiter, die er uns nachgeschickt hat.
Versteck mich irgendwo!“ – Der Kuhjohn aber war gescheit genug; er rief den Vögeln und sagte:
Der Prinzessin zu Gefallen Nehmet Sand in Schnabel und Krallen, Streut ihn in der Reiter Augen, Dass sie nicht zum Spähen taugen; Aber Spätzlein, macht geschwind, Eh ein böser Blick uns find't!
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Da flogen die Spatzen wieder gar eifrig nach den Blumen, bissen sie ganz unten ab mit ihren scharfen Schnäbeln und brachten sie ihrem Herrn. Der sagte ganz leise „Brrrr!“ und fragte dann die Prinzessin, ob sie die Kuhblumen wohl aus seiner Hand essen wolle; einen Teller habe er leider nicht, aber sie seien ganz appetitlich und sauber. Die Blindekuh erwiderte: „Danke schön, und mach nur keine Umstände!“ Darauf fraß sie die Blumen betrübt in sich hinein und ging weiter, und das wiederholte sich, sooft die Vögel einige zusammengeholt hatten. „Ach“, dachte der Kuhjohn, „zu einem Haufen ist es doch zu wenig! Und wie soll ich es nun gar anfangen, mein bisschen Verstand zu verlieren? O die böse Melkmarei! Ich hätte ihr so etwas nimmer zugetraut.“ – In solchen Gedanken machte er die Reise niedergeschlagen weiter, und sein Hemdzipfel wedelte wehmütig hinterdrein.
Der König Grobianus aber, als er merkte, dass seine Tochter verschwunden war, geriet in einen kirschbraunen Zorn und ließ sogleich nachforschen, wie es wohl zugegangen sein könnte. Da fand sich denn, dass der kleine Kuhjohn auch vermisst wurde, und der König kam auf den Verdacht, der Kleine habe die Prinzessin entführt, worüber er sehr grob wurde. Er schickte sogleich eine Menge Soldaten nach allen Richtungen aus, um die Entflohenen zu suchen, und ließ von allen Türmen Sturm läuten, damit der Skandal in der Stadt noch lauter würde als die skandalöse Entführung. Die Soldaten fanden auch nichts; denn als der eine Trupp den Weg entlangkam, den die Blindekuh mit ihrem Gefolge eingeschlagen hatte, hörte die Prinzeß schon von ferne das Pferdegetrappel und flüsterte ihrem Führer ängstlich zu: „Ach, das sind meines Vaters Reiter, die er uns nachgeschickt hat.
Versteck mich irgendwo!“ – Der Kuhjohn aber war gescheit genug; er rief den Vögeln und sagte:
Der Prinzessin zu Gefallen Nehmet Sand in Schnabel und Krallen, Streut ihn in der Reiter Augen, Dass sie nicht zum Spähen taugen; Aber Spätzlein, macht geschwind, Eh ein böser Blick uns find't!Nun hätte man die Vögel sehen sollen, wie geschickt sie den Reitern Sand in die Augen streuten, sodass die ganz betroffen umkehrten und einfach sagten, sie hätten nichts gefunden. Da wurde der König noch böser und ließ einen langen Steckbrief in die Zeitung setzen, in welchem dem ehrlichen Finder, der die Prinzessin und einen sicheren Kuhjohn mit dem Hemdzipfel wiederbrächte, die Prinzessin und das halbe Königreich versprochen wurden.

Die Melkmarei aber, die von bösen Zungen als Hexe verschrien war, ließ der König auf offenem Markte verbrennen. Da ward es klar, dass sie eine richtige Hexe war. Denn als die Lohe hoch aufschlug, hörte man inmitten der Flammen eine heisere Stimme singen:
Der König Rex Hat Macht so viel, Ist doch ein Spiel Griesegrauer Hex!
Sein Töchterlein, Vom Zauber bezwungen, Läuft mit dem Kuhjungen In die Welt hinein.
Weh, Windchen weh! Dann geht's in die Höh. Herr König, ade! Siehst sie nimmermeh!
Und da flog wahrhaftig eine schwarze Rabe in die Höhe, krächzte oben noch ganz höhnisch und flog davon, nachdem sie zuvor auf des Königs Krone etwas hatte fallen lassen, wovon das blanke Gold ebenso blind ward wie des jungen Tobias Augen dereinst.
Der kleine John mit der Blindekuh war indessen immer weiter gegangen und fing allmählich an, sich nach den Brotsuppen der Melkmarei zu sehnen. Obendrein sah er es den Spatzen an, dass sie Hunger hatten; denn es war gerade die Stunde, wo sie sonst zu Nacht aßen, da sie bei ihm in Kost gingen auf dem Heuboden. Nun schaute er ringsum, ob er keine Beeren sehen könnte; aber es wuchs auch nicht das Geringste in dem bösen, öden Walde. Wie er den weißen Mond hinten durch die Bäume gucken sah, glaubte er erst, es wäre ein großer Käse, der sich irgendwie auf die Wipfel verlaufen hätte. Nachher aber sah er seinen Irrtum betrübt ein, und da wusste er gar nichts Besseres anzufangen, als dass er ein altes Lied sang:
Das Fechten ist verboten, Das Mausen ist nicht erlaubt; Da dürst' ich nun nach Noten, Ermattet und verstaubt!
Auf Schusters Rappen sieht sich Die Welt passabel an, Hat man nur brav im Beutel, Womit man klimpern kann.
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Nun hätte man die Vögel sehen sollen, wie geschickt sie den Reitern Sand in die Augen streuten, sodass die ganz betroffen umkehrten und einfach sagten, sie hätten nichts gefunden. Da wurde der König noch böser und ließ einen langen Steckbrief in die Zeitung setzen, in welchem dem ehrlichen Finder, der die Prinzessin und einen sicheren Kuhjohn mit dem Hemdzipfel wiederbrächte, die Prinzessin und das halbe Königreich versprochen wurden.
Die Melkmarei aber, die von bösen Zungen als Hexe verschrien war, ließ der König auf offenem Markte verbrennen. Da ward es klar, dass sie eine richtige Hexe war. Denn als die Lohe hoch aufschlug, hörte man inmitten der Flammen eine heisere Stimme singen:
Der König Rex Hat Macht so viel, Ist doch ein Spiel Griesegrauer Hex!
Sein Töchterlein, Vom Zauber bezwungen, Läuft mit dem Kuhjungen In die Welt hinein.
Weh, Windchen weh! Dann geht's in die Höh. Herr König, ade! Siehst sie nimmermeh!
Und da flog wahrhaftig eine schwarze Rabe in die Höhe, krächzte oben noch ganz höhnisch und flog davon, nachdem sie zuvor auf des Königs Krone etwas hatte fallen lassen, wovon das blanke Gold ebenso blind ward wie des jungen Tobias Augen dereinst.
Der kleine John mit der Blindekuh war indessen immer weiter gegangen und fing allmählich an, sich nach den Brotsuppen der Melkmarei zu sehnen. Obendrein sah er es den Spatzen an, dass sie Hunger hatten; denn es war gerade die Stunde, wo sie sonst zu Nacht aßen, da sie bei ihm in Kost gingen auf dem Heuboden. Nun schaute er ringsum, ob er keine Beeren sehen könnte; aber es wuchs auch nicht das Geringste in dem bösen, öden Walde. Wie er den weißen Mond hinten durch die Bäume gucken sah, glaubte er erst, es wäre ein großer Käse, der sich irgendwie auf die Wipfel verlaufen hätte. Nachher aber sah er seinen Irrtum betrübt ein, und da wusste er gar nichts Besseres anzufangen, als dass er ein altes Lied sang:
Das Fechten ist verboten, Das Mausen ist nicht erlaubt; Da dürst' ich nun nach Noten, Ermattet und verstaubt!
Auf Schusters Rappen sieht sich Die Welt passabel an, Hat man nur brav im Beutel, Womit man klimpern kann.Doch sind dem Wandergesellen Die Taschen beide leer, Sein Magen tut ihm bellen, Sein Ränzel wird ihm schwer!
Gebraten und Gesotten, In jeder Schenk' ein Bier, Und hoch zu Rosse trotten – Solch Wandern lob' ich mir!
Da geschah es recht zum Glück, dass die schwarze Rabe, die Melkmarei, über den Wald geflogen kam und hörte, was ihr Liebling sang. Sie hatte gar kein Rabenherz, und da sie eine Jägerhütte wusste, nicht weit von der Landstraße ab, flog sie geschwind dorthin und stahl Käse und Brot durchs offene Fenster dem Jägerskind vor dem Munde weg, um es dem kleinen Kuhjohn zu bringen. Sie warf es aber gerade in das Nest zwischen den Hörnern der Blindekuh, sodass die Prinzessin ganz erschrocken war und fragte: „Lieber kleiner Kuhjohn, was warf mich da?“ – Der Kleine war noch mehr erschrocken, denn er dachte, es wäre doch ganz gegen den Respekt, wenn so das erste beste Stück Käse und Brot der Prinzessin auf den Kopf fiele; sagte also ganz schüchtern: „Es muss der Wind gewesen sein, der Tannenzäpfchen abschüttelt.“ – Dann rief er aber die Vögel und gab ihnen von dem Brote, und den Rest samt dem Käse aß er allein.
Und wie er den Mund mit dem Ärmel geputzt hatte, sagte er: „Gesegnete Mahlzeit!“ und war wieder ganz guter Dinge.
Nun wurde es aber stockfinster, denn der Mond war noch nicht hoch herauf. Die Prinzessin sah zwar die Finsternis nicht, weil sie ja blind war; aber sie war doch erstaunlich müde, und der Kuhjohn merkte es ihr wohl an. Zufällig kamen sie an eine Stelle, wo ein seltsames Moos wuchs. Der junge Jäger nämlich hatte sich vor Zeiten dort seinen Backenbart abrasiert, und der hatte in dem fetten schwarzen Boden Wurzel geschlagen und mächtig gewuchert, sodass man so weich darauf lag wie auf einer Pferdehaarmatratze. Da hielt der kleine Kuhjohn still und fragte die Blindekuh, ob sie hier übernachten wollten. – „Ach ja“, erwiderte das verwunschene Naserümpfchen. „Es ist nur fatal, dass ich mit meinen vier Beinen so unbeholfen bin und mich nicht niederlegen kann; am Ende weiß ich mir morgen nicht wieder aufzuhelfen! Und in den Kleidern muss ich auch bleiben; denn die Kuhhaarstrümpfchen gehen nicht ab und die gespaltenen Schuhe auch nicht.
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Doch sind dem Wandergesellen Die Taschen beide leer, Sein Magen tut ihm bellen, Sein Ränzel wird ihm schwer!
Gebraten und Gesotten, In jeder Schenk' ein Bier, Und hoch zu Rosse trotten – Solch Wandern lob' ich mir!
Da geschah es recht zum Glück, dass die schwarze Rabe, die Melkmarei, über den Wald geflogen kam und hörte, was ihr Liebling sang. Sie hatte gar kein Rabenherz, und da sie eine Jägerhütte wusste, nicht weit von der Landstraße ab, flog sie geschwind dorthin und stahl Käse und Brot durchs offene Fenster dem Jägerskind vor dem Munde weg, um es dem kleinen Kuhjohn zu bringen. Sie warf es aber gerade in das Nest zwischen den Hörnern der Blindekuh, sodass die Prinzessin ganz erschrocken war und fragte: „Lieber kleiner Kuhjohn, was warf mich da?“ – Der Kleine war noch mehr erschrocken, denn er dachte, es wäre doch ganz gegen den Respekt, wenn so das erste beste Stück Käse und Brot der Prinzessin auf den Kopf fiele; sagte also ganz schüchtern: „Es muss der Wind gewesen sein, der Tannenzäpfchen abschüttelt.“ – Dann rief er aber die Vögel und gab ihnen von dem Brote, und den Rest samt dem Käse aß er allein.
Und wie er den Mund mit dem Ärmel geputzt hatte, sagte er: „Gesegnete Mahlzeit!“ und war wieder ganz guter Dinge.
Nun wurde es aber stockfinster, denn der Mond war noch nicht hoch herauf. Die Prinzessin sah zwar die Finsternis nicht, weil sie ja blind war; aber sie war doch erstaunlich müde, und der Kuhjohn merkte es ihr wohl an. Zufällig kamen sie an eine Stelle, wo ein seltsames Moos wuchs. Der junge Jäger nämlich hatte sich vor Zeiten dort seinen Backenbart abrasiert, und der hatte in dem fetten schwarzen Boden Wurzel geschlagen und mächtig gewuchert, sodass man so weich darauf lag wie auf einer Pferdehaarmatratze. Da hielt der kleine Kuhjohn still und fragte die Blindekuh, ob sie hier übernachten wollten. – „Ach ja“, erwiderte das verwunschene Naserümpfchen. „Es ist nur fatal, dass ich mit meinen vier Beinen so unbeholfen bin und mich nicht niederlegen kann; am Ende weiß ich mir morgen nicht wieder aufzuhelfen! Und in den Kleidern muss ich auch bleiben; denn die Kuhhaarstrümpfchen gehen nicht ab und die gespaltenen Schuhe auch nicht.Ach Gott, wenn ich nur erlöst wäre!“ – Der kleine John wurde durch ihre Worte immer trauriger, nahm ihr sanft die Leine aus dem Maul, und so schlief sie im Stehen die ganze Nacht, und die Spatzen schlüpften in das Nest zwischen ihren Hörnern und schnarchten ein wunderschönes Konzert zusammen.
Der Kuhjohn hätte sich gar zu gern auf das weiche Haarmoos gestreckt; aber das gab doch der Respekt nicht zu, dass er lag, während die Prinzessin stand. Er kauerte sich also mit untergeschlagenen Beinen neben sie und faltete die Hände, sodass es fast so aussah, als ob er sie anbete. Aber weil er so viel Sorgen hatte ihretwegen und auch gar unbequem saß, kam er zu keinem rechten Schlaf und wachte alle Augenblicke auf. Nun wurde es aber nach und nach blitzeblank am Himmel, denn es war große Illumination, dem Geburtstag der Jungfrau Maria zu Ehren. Weil aber das Gewimmel von Sternen gar zu groß war, verlor hie und da ein junger unerfahrener die Balance und fiel dann radschlagend auf die Erde herunter ins Gras.
Das sah der kleine Kuhjohn nicht, sondern gewahrte mit seinen verschlafenen Augen nur das gelbe Flimmern durch das Grün, und weil er in Gedanken immer bei der Prinzessin war und ihrer Erlösung, meinte er, es seien lauter Kuhblumen, und machte sich halb im Traum auf, sie zu pflücken. Dazu kam noch, dass die Irrlichter jedes Mal, wenn ein Stern gefallen war, herbeihüpften, um wo möglich etwas Neues zu erfahren aus dem himmlischen Reich. Aber die Sterne fielen immer so hart auf den Kopf, dass ihr Lebensflämmchen erlosch, und da konnten sie auch nichts mehr sagen als höchstens ein Stoßgebetlein ums ewige Leben. Da wurde der kleine Kuhjohn immer von Neuem betrogen; denn es flimmerte wohl überall gelb und goldig, aber sobald er nahe kam, erlosch der Schein, sodass er sich ganz erhitzte und doch nichts haschte. Und so lief er weit, weit weg, immer den Kuhblumen nach, bis er ganz erschöpft ins Gras sank und einschlief.
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Ach Gott, wenn ich nur erlöst wäre!“ – Der kleine John wurde durch ihre Worte immer trauriger, nahm ihr sanft die Leine aus dem Maul, und so schlief sie im Stehen die ganze Nacht, und die Spatzen schlüpften in das Nest zwischen ihren Hörnern und schnarchten ein wunderschönes Konzert zusammen.
Der Kuhjohn hätte sich gar zu gern auf das weiche Haarmoos gestreckt; aber das gab doch der Respekt nicht zu, dass er lag, während die Prinzessin stand. Er kauerte sich also mit untergeschlagenen Beinen neben sie und faltete die Hände, sodass es fast so aussah, als ob er sie anbete. Aber weil er so viel Sorgen hatte ihretwegen und auch gar unbequem saß, kam er zu keinem rechten Schlaf und wachte alle Augenblicke auf. Nun wurde es aber nach und nach blitzeblank am Himmel, denn es war große Illumination, dem Geburtstag der Jungfrau Maria zu Ehren. Weil aber das Gewimmel von Sternen gar zu groß war, verlor hie und da ein junger unerfahrener die Balance und fiel dann radschlagend auf die Erde herunter ins Gras.
Das sah der kleine Kuhjohn nicht, sondern gewahrte mit seinen verschlafenen Augen nur das gelbe Flimmern durch das Grün, und weil er in Gedanken immer bei der Prinzessin war und ihrer Erlösung, meinte er, es seien lauter Kuhblumen, und machte sich halb im Traum auf, sie zu pflücken. Dazu kam noch, dass die Irrlichter jedes Mal, wenn ein Stern gefallen war, herbeihüpften, um wo möglich etwas Neues zu erfahren aus dem himmlischen Reich. Aber die Sterne fielen immer so hart auf den Kopf, dass ihr Lebensflämmchen erlosch, und da konnten sie auch nichts mehr sagen als höchstens ein Stoßgebetlein ums ewige Leben. Da wurde der kleine Kuhjohn immer von Neuem betrogen; denn es flimmerte wohl überall gelb und goldig, aber sobald er nahe kam, erlosch der Schein, sodass er sich ganz erhitzte und doch nichts haschte. Und so lief er weit, weit weg, immer den Kuhblumen nach, bis er ganz erschöpft ins Gras sank und einschlief.Als die Sonne aufging am anderen Morgen, wunderte sie sich nicht wenig, den kleinen Kuhjohn in der Waldwildnis zu sehen und die Blindekuh fernab am Wege auf dem weichen Bartmoos. Der Kleine aber, als er die Augen auftat und noch halb verschlafen fragte, wie Prinzeß Naserümpfchen geruht habe, erschrak und wurde im Gesicht so kreideweiß wie sein Hemdzipfel. Er lief kreuz und quer zwischen dem hohen Farnkraut herum und rief nach der Prinzessin; aber da bekam er keine Antwort, kein „Muh!“ und kein „Puh!“ Nun malte er sich immer deutlicher aus, wie es doch gegen den Respekt wäre, die blinde Prinzessin so im Stich zu lassen, und wie übel es ihr nun ergehen könnte; das machte ihm das Herz fast zerspringen. Die alte Rabe kam geflogen und brachte ihm einen Topf mit Brotsuppe, den sie irgendwo gestohlen hatte.
Sie setzte ihn gerade vor seine Nase auf einen Baumstumpf; aber der Kuhjohn war ziemlich kalt dagegen. „Brotsuppe hin, Brotsuppe her!“ sagte er. „Sie hat es eingebrockt, und ich muss es ausessen. Ach die arme Prinzessin! Ach mein schöner Respekt! Wo ist der hin? Könnt' ich nur wenigstens den Verstand verlieren!“ – Damit warf er sich der Länge nach ins Farnkraut und weinte, dass es nur so schwamm und alle Pilze versalzen wurden.

Dann stand er wieder auf und wehklagte hin und her durch die Waldeinsamkeit, bis es zuletzt dahin kam, dass er wirklich den Verstand verlor. Da lag nun der schöne Kuhjungenverstand zwischen dem Farnkraut, und die Käfer liefen, als ob es gar nichts wäre, darum herum und befühlten ihn mit den dünnen Vorderbeinchen. Der frühere Besitzer aber ging weiter, hörte mit einem Mal auf zu weinen und sagte: „Gott sei Dank! Da hab' ich meinen Verstand verloren, und nun wird noch alles gut.“ – Es war zwar nicht viel, was er von Verstand bei sich führte; aber zuweilen war es ihm doch unbequem gewesen. Ei, wie er nun sang und sprang, als wäre ihm ein Stein vom Herzen los geworden! Die Melkmarei aber, die alte Rabe, hatte sich die Stelle wohl gemerkt, wo der Verstand lag, flog nun hinter ihm her und steckte ihm ganz sacht, sodass er es nicht innewurde, den Hemdzipfel hinten in die Höslein.
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Als die Sonne aufging am anderen Morgen, wunderte sie sich nicht wenig, den kleinen Kuhjohn in der Waldwildnis zu sehen und die Blindekuh fernab am Wege auf dem weichen Bartmoos. Der Kleine aber, als er die Augen auftat und noch halb verschlafen fragte, wie Prinzeß Naserümpfchen geruht habe, erschrak und wurde im Gesicht so kreideweiß wie sein Hemdzipfel. Er lief kreuz und quer zwischen dem hohen Farnkraut herum und rief nach der Prinzessin; aber da bekam er keine Antwort, kein „Muh!“ und kein „Puh!“ Nun malte er sich immer deutlicher aus, wie es doch gegen den Respekt wäre, die blinde Prinzessin so im Stich zu lassen, und wie übel es ihr nun ergehen könnte; das machte ihm das Herz fast zerspringen. Die alte Rabe kam geflogen und brachte ihm einen Topf mit Brotsuppe, den sie irgendwo gestohlen hatte.
Sie setzte ihn gerade vor seine Nase auf einen Baumstumpf; aber der Kuhjohn war ziemlich kalt dagegen. „Brotsuppe hin, Brotsuppe her!“ sagte er. „Sie hat es eingebrockt, und ich muss es ausessen. Ach die arme Prinzessin! Ach mein schöner Respekt! Wo ist der hin? Könnt' ich nur wenigstens den Verstand verlieren!“ – Damit warf er sich der Länge nach ins Farnkraut und weinte, dass es nur so schwamm und alle Pilze versalzen wurden.
Dann stand er wieder auf und wehklagte hin und her durch die Waldeinsamkeit, bis es zuletzt dahin kam, dass er wirklich den Verstand verlor. Da lag nun der schöne Kuhjungenverstand zwischen dem Farnkraut, und die Käfer liefen, als ob es gar nichts wäre, darum herum und befühlten ihn mit den dünnen Vorderbeinchen. Der frühere Besitzer aber ging weiter, hörte mit einem Mal auf zu weinen und sagte: „Gott sei Dank! Da hab' ich meinen Verstand verloren, und nun wird noch alles gut.“ – Es war zwar nicht viel, was er von Verstand bei sich führte; aber zuweilen war es ihm doch unbequem gewesen. Ei, wie er nun sang und sprang, als wäre ihm ein Stein vom Herzen los geworden! Die Melkmarei aber, die alte Rabe, hatte sich die Stelle wohl gemerkt, wo der Verstand lag, flog nun hinter ihm her und steckte ihm ganz sacht, sodass er es nicht innewurde, den Hemdzipfel hinten in die Höslein.Sie hatte ihre guten Gründe dabei, wie sie überhaupt alles bisher nur ihrem Freunde zum Besten eingerichtet hatte. Der ging immer zu, pflückte Kuhblumen ab, wo er welche sah, und sagte im Stillen: „Es muss da hinten bei meinem Hemdzipfel etwas nicht richtig sein; am Ende hat mein Verstand darin gesessen und ist mit verloren, denn ich fühle nichts mehr baumeln.“ Weiter forschte er aber nicht, weil er eben keinen Verstand mehr hatte.
Er sang auch unterwegs kuriose Lieder, die einen guten Klang hatten, in denen aber kein Verstand war. Unter anderem:
Die Berge sind spitz Und die Berge sind kalt. Mein Schatz steigt zu Berge Und ich in den Wald.
Da tröpfelt das Laub Von Regen und Tau. Ob die Augen da tröpfeln, Wer sieht es genau?
*
Da drunten im Tal Da blühen die Rosen; Da will ich dich küssen Viel tausendmal.
Wer Röselein bricht, Den stechen die Dornen; Und sei mir nicht bös, Wenn mein Schnurrbart dich sticht.
*
Am Wildbach die Weiden Die schwanken Tag und Nacht. Die Liebe von uns beiden Hat Gott so fest gemacht.
Am Wildbach die Weiden Die haben nicht Wort und Ton. Wenn sich die Augen besprechen, So wissen die Herzen davon.
Und dergleichen mehr, und er dachte sich nichts dabei, ebenso wenig beim Kuhblumenpflücken; aber die alte Melkmarei hatte ihren heimlichen Spaß daran.
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Sie hatte ihre guten Gründe dabei, wie sie überhaupt alles bisher nur ihrem Freunde zum Besten eingerichtet hatte. Der ging immer zu, pflückte Kuhblumen ab, wo er welche sah, und sagte im Stillen: „Es muss da hinten bei meinem Hemdzipfel etwas nicht richtig sein; am Ende hat mein Verstand darin gesessen und ist mit verloren, denn ich fühle nichts mehr baumeln.“ Weiter forschte er aber nicht, weil er eben keinen Verstand mehr hatte.
Er sang auch unterwegs kuriose Lieder, die einen guten Klang hatten, in denen aber kein Verstand war. Unter anderem:
Die Berge sind spitz Und die Berge sind kalt. Mein Schatz steigt zu Berge Und ich in den Wald.
Da tröpfelt das Laub Von Regen und Tau. Ob die Augen da tröpfeln, Wer sieht es genau?
* * *
Da drunten im Tal Da blühen die Rosen; Da will ich dich küssen Viel tausendmal.
Wer Röselein bricht, Den stechen die Dornen; Und sei mir nicht bös, Wenn mein Schnurrbart dich sticht.
* * *
Am Wildbach die Weiden Die schwanken Tag und Nacht. Die Liebe von uns beiden Hat Gott so fest gemacht.
Am Wildbach die Weiden Die haben nicht Wort und Ton. Wenn sich die Augen besprechen, So wissen die Herzen davon.
Und dergleichen mehr, und er dachte sich nichts dabei, ebenso wenig beim Kuhblumenpflücken; aber die alte Melkmarei hatte ihren heimlichen Spaß daran.Darüber hätte ich aber fast zu erzählen vergessen, wie es der Blindekuh ging. Das arme Tier wachte in grauer Frühe auf, denn es war ja gar nicht gewohnt, im Stehen zu schlafen. Wie es nun so mit dem Kopf ruckte, blieben die Spatzen auch nicht lange still in den Federn, reckten sich erst ein wenig und huschten dann hinaus. O weh! Da war von ihrem Herrn nichts zu sehen; nur die Leine, an der er die Prinzessin geführt hatte, lag auf dem Moose. „Frau“, sagte der Spatzenvater zu seiner Ehehälfte, „was tun wir nun?“ – „Hole die Leine“, erwiderte die Spätzin, „und bitte die Blindekuh, sie wieder ins Maul zu nehmen; und dann wollen wir weiter bis ins nächste Dorf zu dem Bauer, dessen Hausspätzin ich war, bevor du mich heiratetest. Und unsere Jungen, Gelbschnabel und Grünschnabel, können Kuhblumen besorgen, während ich die Gnitzen und Gnatzen wegfange.“ – Das hatte aber die Blindekuh gehört und fragte ängstlich: „Lieber Kuhjohn, wo bist du?
Und wann geht es weiter? Ich habe auch Appetit auf einige Kuhblumen.“ – Darauf flog der alte Spatz dicht an ihr Ohr und sagte ihr alles, wie seine Frau es geraten hatte. Ach, da wurde Naserümpfchen betrübt! Aber weil es doch nicht anders ging, nahm sie die Leine gutwillig zwischen ihre Perlenzähne, und nun flatterte der Spatz bedächtig voran, dicht über dem Boden, da es der Blindekuh sonst zu schnell gewesen wäre, und seine Familie sorgte für das Übrige. Es war aber doch ein schwieriges Geschäft; denn immer wenn die Blindekuh eine gelbe Blume kaute, fiel ihr die Leine aus dem Munde, und es wurde dem Spatzen schwerer, sie wieder hineinzustecken, als es dem kleinen Kuhjohn geworden war. Dabei seufzte die Prinzessin oft, und das klang jedes Mal „Muh!“, worüber die Vögel erschraken.
Das einzige Gute war, dass sie Zeit genug hatte, bescheidener zu werden und eine rechte Sehnsucht nach dem guten Kuhjohn zu bekommen, den sie früher immer nur ausgelacht hatte.
Wie sie nun so die Landstraße hinabzogen nach dem Dörfchen zu, kam ihnen eine Schar von Schulkindern entgegen, die hinter die Schule gegangen waren, um sich im Walde lustig zu machen.
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Darüber hätte ich aber fast zu erzählen vergessen, wie es der Blindekuh ging. Das arme Tier wachte in grauer Frühe auf, denn es war ja gar nicht gewohnt, im Stehen zu schlafen. Wie es nun so mit dem Kopf ruckte, blieben die Spatzen auch nicht lange still in den Federn, reckten sich erst ein wenig und huschten dann hinaus. O weh! Da war von ihrem Herrn nichts zu sehen; nur die Leine, an der er die Prinzessin geführt hatte, lag auf dem Moose. „Frau“, sagte der Spatzenvater zu seiner Ehehälfte, „was tun wir nun?“ – „Hole die Leine“, erwiderte die Spätzin, „und bitte die Blindekuh, sie wieder ins Maul zu nehmen; und dann wollen wir weiter bis ins nächste Dorf zu dem Bauer, dessen Hausspätzin ich war, bevor du mich heiratetest. Und unsere Jungen, Gelbschnabel und Grünschnabel, können Kuhblumen besorgen, während ich die Gnitzen und Gnatzen wegfange.“ – Das hatte aber die Blindekuh gehört und fragte ängstlich: „Lieber Kuhjohn, wo bist du?
Und wann geht es weiter? Ich habe auch Appetit auf einige Kuhblumen.“ – Darauf flog der alte Spatz dicht an ihr Ohr und sagte ihr alles, wie seine Frau es geraten hatte. Ach, da wurde Naserümpfchen betrübt! Aber weil es doch nicht anders ging, nahm sie die Leine gutwillig zwischen ihre Perlenzähne, und nun flatterte der Spatz bedächtig voran, dicht über dem Boden, da es der Blindekuh sonst zu schnell gewesen wäre, und seine Familie sorgte für das Übrige. Es war aber doch ein schwieriges Geschäft; denn immer wenn die Blindekuh eine gelbe Blume kaute, fiel ihr die Leine aus dem Munde, und es wurde dem Spatzen schwerer, sie wieder hineinzustecken, als es dem kleinen Kuhjohn geworden war. Dabei seufzte die Prinzessin oft, und das klang jedes Mal „Muh!“, worüber die Vögel erschraken.
Das einzige Gute war, dass sie Zeit genug hatte, bescheidener zu werden und eine rechte Sehnsucht nach dem guten Kuhjohn zu bekommen, den sie früher immer nur ausgelacht hatte.
Wie sie nun so die Landstraße hinabzogen nach dem Dörfchen zu, kam ihnen eine Schar von Schulkindern entgegen, die hinter die Schule gegangen waren, um sich im Walde lustig zu machen.Als sie die Blindekuh kommen sahen und die Vögel umher, fingen sie laut an zu lachen und waren sehr ausgelassen und unartig, sodass die Vögel scheu wurden und sich zwitschernd in das Nest zwischen den Hörnern verkrochen.
Da stand die arme Prinzessin still und fragte: „Was ist denn das? Lassen sie mich denn alle im Stich?“ – Die Schulkinder aber umringten sie und riefen durcheinander: „Hört doch einmal! Die Blindekuh kann sprechen.“ Einer von ihnen, der Älteste und ein gar übermütiger Junge, gab ihr geschwind die Leine wieder, führte sie eine Strecke vorwärts und sagte: „Blindekuh, ich führe dich.“ – „Wohin denn?“ fragte die Prinzessin ganz verblüfft. – „In den Kuhstall!“ war die Antwort. – „Und was soll ich da?“ – „Milch essen, Blindekuh.“ – „Ach Gott, ich habe ja keinen Löffel.“ – „Dann such dir einen“, rief der böse Bube lachend und ließ die Leine fahren. Nun tappte die Blindekuh ängstlich im Kreise herum; aber die Schulkinder wichen ihr neckend und spottend aus, und da sie nicht wusste, wohin sie ging, lief sie gerade auf die Bäume zu und hätte sich gewiss den Kopf ganz wund gestoßen.

Da trat noch zur rechten Zeit der kleine Kuhjohn aus dem Walde heraus, eine Menge Kuhblumen unter dem Arm, und wie er so plötzlich Naserümpfchen vor sich sah, freute er sich wie ein König, obgleich er seinen Verstand zwischen dem Farnkraut gelassen hatte. Er ging geschwind zu ihr heran, streichelte sie und gab ihr seine Blumen zu fressen.

Wie sie aber die letzte verschluckt hatte, da war es gerade der Haufen, von dem die Melkmarei in dem Zauberspruch geredet hatte, und sie stand als die wunderschöne Prinzessin da, die sie gewesen war. Nur hatte sie einen wunderlichen Kopfputz von Heu, und das Nest lag oben auf. Da flogen die Spatzen lustig herunter und ihrem Herrn auf die Schultern und konnten sich gar nicht lassen vor Freude. Der aber ging mutig auf Naserümpfchen zu, umarmte sie und küsste sie wer weiß wie oft. Denn sein Respekt war mit dem Hemdzipfel in die Höslein gestopft und darin elendiglich erstickt.

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Als sie die Blindekuh kommen sahen und die Vögel umher, fingen sie laut an zu lachen und waren sehr ausgelassen und unartig, sodass die Vögel scheu wurden und sich zwitschernd in das Nest zwischen den Hörnern verkrochen.
Da stand die arme Prinzessin still und fragte: „Was ist denn das? Lassen sie mich denn alle im Stich?“ – Die Schulkinder aber umringten sie und riefen durcheinander: „Hört doch einmal! Die Blindekuh kann sprechen.“ Einer von ihnen, der Älteste und ein gar übermütiger Junge, gab ihr geschwind die Leine wieder, führte sie eine Strecke vorwärts und sagte: „Blindekuh, ich führe dich.“ – „Wohin denn?“ fragte die Prinzessin ganz verblüfft. – „In den Kuhstall!“ war die Antwort. – „Und was soll ich da?“ – „Milch essen, Blindekuh.“ – „Ach Gott, ich habe ja keinen Löffel.“ – „Dann such dir einen“, rief der böse Bube lachend und ließ die Leine fahren. Nun tappte die Blindekuh ängstlich im Kreise herum; aber die Schulkinder wichen ihr neckend und spottend aus, und da sie nicht wusste, wohin sie ging, lief sie gerade auf die Bäume zu und hätte sich gewiss den Kopf ganz wund gestoßen.
Da trat noch zur rechten Zeit der kleine Kuhjohn aus dem Walde heraus, eine Menge Kuhblumen unter dem Arm, und wie er so plötzlich Naserümpfchen vor sich sah, freute er sich wie ein König, obgleich er seinen Verstand zwischen dem Farnkraut gelassen hatte. Er ging geschwind zu ihr heran, streichelte sie und gab ihr seine Blumen zu fressen.
Wie sie aber die letzte verschluckt hatte, da war es gerade der Haufen, von dem die Melkmarei in dem Zauberspruch geredet hatte, und sie stand als die wunderschöne Prinzessin da, die sie gewesen war. Nur hatte sie einen wunderlichen Kopfputz von Heu, und das Nest lag oben auf. Da flogen die Spatzen lustig herunter und ihrem Herrn auf die Schultern und konnten sich gar nicht lassen vor Freude. Der aber ging mutig auf Naserümpfchen zu, umarmte sie und küsste sie wer weiß wie oft. Denn sein Respekt war mit dem Hemdzipfel in die Höslein gestopft und darin elendiglich erstickt.Man begreift, was für alberne Gesichter die Schulkinder bei alledem machten; aber die Prinzessin schenkte ihnen ihr Schnupftuch, damit sie sich die Lippen fegen und reinen Mund halten sollten, was sie auch versprachen. Dann spazierte sie mit dem Kuhjohn nach der Stadt zurück, und was sie sich alles gesagt haben, mag der Himmel wissen. Ich kann nur ein Lied verraten, das die Prinzessin sang und der Kuhjohn die zweite Stimme brummte. Das hieß so:
Es pirscht ein Jäger durch den Hain, Schießt allem Wild ins Herz hinein. Freikugeln hat er geladen; Die fehlen nicht und knallen nicht, Tun allerort viel Schaden.
Du sprödes Reh, es hilft dir nicht, Gehst du abseit im Walde dicht; Bist dennoch schlecht geborgen. Des Jägers Meute find't dich doch; Das sind die bösen Sorgen.
Die Sorgen bös, die Sorgen lind, Die Wunden weh und lieblich sind. Und wer es nie empfunden, Der weiß auch nicht, wie süß es tut, An lieben Lippen gesunden.
Das sangen sie denn, und jedes dachte sich sein Teil dabei und die Spatzen auch. Wie sie aber in die Stadt kamen zum König Grobianus, war der hocherfreut, seine Tochter wieder zu haben, und wollte nun geschwind wissen, wer der fremde Herr sei; denn er erkannte ihn nicht, weil ihm der Hemdzipfel fehlte. Da erzählte der Kuhjohn die ganze Begebenheit und wer er wäre; aber er fand überall Unglauben, und die Bücherwürmer und Ratschläger wurden befragt.
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Man begreift, was für alberne Gesichter die Schulkinder bei alledem machten; aber die Prinzessin schenkte ihnen ihr Schnupftuch, damit sie sich die Lippen fegen und reinen Mund halten sollten, was sie auch versprachen. Dann spazierte sie mit dem Kuhjohn nach der Stadt zurück, und was sie sich alles gesagt haben, mag der Himmel wissen. Ich kann nur ein Lied verraten, das die Prinzessin sang und der Kuhjohn die zweite Stimme brummte. Das hieß so:
Es pirscht ein Jäger durch den Hain, Schießt allem Wild ins Herz hinein. Freikugeln hat er geladen; Die fehlen nicht und knallen nicht, Tun allerort viel Schaden.
Du sprödes Reh, es hilft dir nicht, Gehst du abseit im Walde dicht; Bist dennoch schlecht geborgen. Des Jägers Meute find't dich doch; Das sind die bösen Sorgen.
Die Sorgen bös, die Sorgen lind, Die Wunden weh und lieblich sind. Und wer es nie empfunden, Der weiß auch nicht, wie süß es tut, An lieben Lippen gesunden.
Das sangen sie denn, und jedes dachte sich sein Teil dabei und die Spatzen auch. Wie sie aber in die Stadt kamen zum König Grobianus, war der hocherfreut, seine Tochter wieder zu haben, und wollte nun geschwind wissen, wer der fremde Herr sei; denn er erkannte ihn nicht, weil ihm der Hemdzipfel fehlte. Da erzählte der Kuhjohn die ganze Begebenheit und wer er wäre; aber er fand überall Unglauben, und die Bücherwürmer und Ratschläger wurden befragt.Die ersteren ließen es sich nun sehr wurmen, und die Ratschläger schlugen Ratschläge, dass sie schwitzten, erkannten aber einstimmig, der Kuhjohn wäre es nun einmal nicht; erstens fehle der Hemdzipfel, und dann sei vom Kuhjungenverstand keine Spur bei ihm zu finden. „Ja, das sei natürlich“, bemerkte der Kuhjohn; „er habe ihn unterwegs im Farnkraut verloren.“ Da ließ der König wieder einen Steckbrief in die Zeitung setzen: Wo sich ein herrenloser Kuhjungenverstand, so und so angetan, blicken ließe, der auf den Namen Kuhjohn höre, solle männiglich auf ihn fahnden und ihn dem Bräutigam von Naserümpfchen gegen eine angemessene Belohnung wieder ausliefern. Die Hochzeit aber wurde gleich gehalten, und Grobianus war die Höflichkeit selbst, zog auch mit Bleistift einen Strich mitten durch sein Reich und schenkte die eine Hälfte seinem Eidam.
Weil aber Naserümpfchen das Spatzennest noch immer auf dem Haupt behielt, machten es ihr bei der Hochzeit alle Hofdamen nach, und zwar von ihren eigenen Haaren, sodass seitdem die Sitte, ein Nest auf dem Kopf zu tragen, sehr gewöhnlich geworden ist.

Am anderen Morgen, als das junge Ehepaar aufwachte und Naserümpfchen eben zu ihrem Kuhjohn sagte: „Ich weiß doch, dass du mein Kuhjohn bist, und habe dich nur noch lieber darum“ – kam plötzlich die Melkmarei ins Zimmer geflogen, krächzte in einem Atem: „Guten Morgen! und ade!“ und legte etwas auf den Nachttisch, worauf sie zum Fenster hinaushuschte. Als die beiden die Bescherung besahen, da war es denn richtig des jungen Ehemanns Kuhjungenverstand. Mit dem hat er lange gerecht regiert und alle Jahr ein Fest feiern lassen, an dem die Schulkinder hinter die Schule gingen, Blindekuh spielten und jedes ein Taschentuch geschenkt bekam. Der Melkmarei wurde nach des Grobianus Tode eine herrliche Bildsäule auf demselben Platz errichtet, wo sie verbrannt worden war, und alljährlich den Armen Brotsuppe verteilt zu ihrem Andenken.
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Die ersteren ließen es sich nun sehr wurmen, und die Ratschläger schlugen Ratschläge, dass sie schwitzten, erkannten aber einstimmig, der Kuhjohn wäre es nun einmal nicht; erstens fehle der Hemdzipfel, und dann sei vom Kuhjungenverstand keine Spur bei ihm zu finden. „Ja, das sei natürlich“, bemerkte der Kuhjohn; „er habe ihn unterwegs im Farnkraut verloren.“ Da ließ der König wieder einen Steckbrief in die Zeitung setzen: Wo sich ein herrenloser Kuhjungenverstand, so und so angetan, blicken ließe, der auf den Namen Kuhjohn höre, solle männiglich auf ihn fahnden und ihn dem Bräutigam von Naserümpfchen gegen eine angemessene Belohnung wieder ausliefern. Die Hochzeit aber wurde gleich gehalten, und Grobianus war die Höflichkeit selbst, zog auch mit Bleistift einen Strich mitten durch sein Reich und schenkte die eine Hälfte seinem Eidam.
Weil aber Naserümpfchen das Spatzennest noch immer auf dem Haupt behielt, machten es ihr bei der Hochzeit alle Hofdamen nach, und zwar von ihren eigenen Haaren, sodass seitdem die Sitte, ein Nest auf dem Kopf zu tragen, sehr gewöhnlich geworden ist.
Am anderen Morgen, als das junge Ehepaar aufwachte und Naserümpfchen eben zu ihrem Kuhjohn sagte: „Ich weiß doch, dass du mein Kuhjohn bist, und habe dich nur noch lieber darum“ – kam plötzlich die Melkmarei ins Zimmer geflogen, krächzte in einem Atem: „Guten Morgen! und ade!“ und legte etwas auf den Nachttisch, worauf sie zum Fenster hinaushuschte. Als die beiden die Bescherung besahen, da war es denn richtig des jungen Ehemanns Kuhjungenverstand. Mit dem hat er lange gerecht regiert und alle Jahr ein Fest feiern lassen, an dem die Schulkinder hinter die Schule gingen, Blindekuh spielten und jedes ein Taschentuch geschenkt bekam. Der Melkmarei wurde nach des Grobianus Tode eine herrliche Bildsäule auf demselben Platz errichtet, wo sie verbrannt worden war, und alljährlich den Armen Brotsuppe verteilt zu ihrem Andenken.Die Nachkommen des Kuhjohn aber haben alle diese Stiftungen eingehen lassen, die Brotsuppe selber gegessen und mit den Taschentüchern ihre eigene Nase geputzt. Leider schlugen sie überhaupt völlig aus der Art, schrieben sich auf französische Mode Cujon und sind weiter nichts nutz gewesen, als dass sie sprichwörtlich genannt werden, wo von einem unausstehlichen Plagegeist die Rede ist.
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Die Nachkommen des Kuhjohn aber haben alle diese Stiftungen eingehen lassen, die Brotsuppe selber gegessen und mit den Taschentüchern ihre eigene Nase geputzt. Leider schlugen sie überhaupt völlig aus der Art, schrieben sich auf französische Mode Cujon und sind weiter nichts nutz gewesen, als dass sie sprichwörtlich genannt werden, wo von einem unausstehlichen Plagegeist die Rede ist.
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