Alfred DöblinDie Helferin

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Die Helferin

Alfred Döblin

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Lauf: 2026-09-03 05:21Sida 1 / 9

In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts sorgte der Prozess gegen den Fabrikanten Grasso in New York für ungeheures Aufsehen. Monatelang sprach man über die rätselhafte Angelegenheit und ihre furchtbaren Begleitumstände. Doch dann brach der Krieg mit den Südstaaten aus, und als nach eineinhalb Jahren der Frieden geschlossen wurde, war die Erinnerung an das Ereignis erloschen. Heute kann man die Einzelheiten nur noch bruchstückhaft rekonstruieren; sie sind von mythischen Erzählungen überwuchert. Man staunt darüber, wie Unglaubliches einem Menschen begegnen kann, und wie man mit lächelnden Lippen daran vorübergeht und einfach weiterlebt wie zuvor.

Gegen Ende der fünfziger Jahre blühte am Rande der Stadt – das Gebiet gehört heute vollständig zur City – ein Beerdigungsinstitut. Der Besitzer Grasso war vor fünf Jahren mit seiner Frau aus Italien eingewandert. Er hatte sich vergeblich als Hotelier versucht, war dann Tischler geworden und hatte soviel erworben, dass er ein älteres Sargmagazin übernehmen konnte. Damals gab es kaum 200.000 Einwohner in der Stadt.

In kurzer Zeit hatte der Italiener es erreicht, dass das Bestattungswesen völlig in seinen Händen lag, und nur noch einzelne offizielle Aufträge an andere Firmen gingen, von Krankenhäusern oder Militärlazaretten. Die Konkurrenzgeschäfte gingen rasch zurück. Selbst die kapitalkräftigsten, die sich verzweifelt wehrten, konnten sich neben Grasso nicht behaupten, dem alles mühelos zu fiel, ohne dass er Lärm machte.

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Erst später, bei den Untersuchungen des Falles, stellte sich heraus, dass Grasso völlig unbeteiligt an diesem Aufschwung seines Geschäftes war. Die Blütezeit des Hauses fiel nämlich ziemlich genau mit dem Eintritt eines jungen Angestellten namens Mike Bondi zusammen. Über dessen Herkunft wusste man nichts; nur bemerkte man, dass er sich mit seinem Herrn auf Italienisch unterhielt. Man sagte, er sei schon bei seiner Anstellung etwa zwanzig Jahre alt gewesen. Aber alle überzeugten sich, dass er in den fünfzehn Jahren seiner Tätigkeit um keine Spur gealtert war. Und Fotografien, die man später bei ihm fand, auf denen er Arm in Arm mit Herrn Grasso zu sehen war, zeigten überraschend deutlich, dass dieser Mensch anscheinend unveränderlich in der Zeit stand. Keine Linie seines knabenhaft zarten Gesichtes hatte sich vertieft, seine tiefschwarzen Haarsträhnen fielen noch immer auf eine niedrige, weiße Stirn.

Ja, sogar seinen Kleidern – es ist lächerlich, das zu berichten – schien die Zeit nichts anzuhaben; denn niemand hatte gesehen, dass er sich neue kaufte. Er trug immer einen schwarzen Anzug, eine lockere, blusenähnliche Jacke mit glänzenden Knöpfen, von einem altertümlichen Schnitt, wie man sie vielleicht Jahrzehnte zuvor getragen hatte. Bei den Prozessvernehmungen wusste auch niemand, wo sich der Mensch nachts aufhielt; manchmal soll er im Geschäft übernachtet haben, meist aber fuhr er abends mit einem kleinen Wagen, der ihm gehörte, nach St. Floridan auf der alten Landstraße und verschwand dann für viele Stunden. Doch all dies ist unsicher und gehört in das Gebiet jener Sagenbildung, von der ich vorhin sprach.

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Illustration till Die Helferin

Mike war von kleiner Statur; er ging stets mit einem weichen Filzhut und einem dünnen Spazierstöckchen. Sein Gang war weich und schlich. Über seine Augen lässt sich nichts sagen; denn niemand hatte sie gesehen. Immer hielt er die Lider gesenkt; und wenn jemand mit ihm sprach, drehten sich die Augäpfel hinter der zarten Lidhaut. Nicht selten verzogen sich seine sehr schmalen Lippen zu einem schönen, demütigen Lächeln. Die Sanftheit und der Klang seiner Stimme waren unbeschreiblich; das erklärt vielleicht zum Teil den außerordentlichen Einfluss Mikes. Denn was er sagte, war einfach und sachlich; er redete sehr wenig und sprach neben geschäftlichen Dingen nur über Bäume, Wurzeln, Felder und Tiere, für die sich die Städter sonst kaum interessieren. Ihn begleitete das Glück.

Es stellte sich heraus, dass Mike Bondi täglich durch die Straßen New Yorks wanderte, gefolgt von einem hohen russischen Windspiel, einem weißen, ungeheuren Tier, das so lautlos wie er schritt und mit leeren Augen um sich blickte. Mike Bondi ging zu den Kranken hinauf und sprach mit ihnen. Niemand wehrte ihm; die Kranken ließen ihn holen, lieber als einen Priester oder Arzt, und waren ihm dankbar für die Minuten, die er mit kargen Worten ausfüllte. Die Menschen, die er verließ, wurden ruhiger und schmerzfreier, aber sie starben alle, wie sich bei den Erhebungen des Prozesses herausstellte, innerhalb einer Woche in großem Frieden, ohne dass ihnen jemand helfen konnte. Diejenigen, die ihn einmal gesehen hatten, fassten ein kaum erklärliches Vertrauen zu ihm und ließen ihn, wenn sie schwer erkrankten, wie in einer unentrinnbaren Sucht zu sich kommen. Er trat nicht an sie heran, er gab ihnen nichts, er berührte sie nicht.

Dies alles ergab sich bei den Ermittlungen des Prozesses.

Mike Bondi war mit der Frau seines Herrn nicht befreundet. Frau Grasso liebte feurige Männer; aber eifersüchtig, wie untreue Frauen sind, freute sie sich, dass ihr Mann, der Mädchen nicht mochte, sich an Bondi anschloss. Wenn sie spät abends nach Hause kam, noch erhitzt von einer heimlichen Begegnung, warf sie sich ihrem Mann an den Hals, der Arm in Arm mit dem stillen Sonderling auf dunklen Straßen spazierte.

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Am Ende des Frühlings starb plötzlich die junge Frau eines Rechtsanwalts Martin in ihrer Wohnung neben Grassos Magazin. Der Witwer, der zwei kleine Kinder hatte, konnte sich nicht von der toten Frau trennen; und in der angstvollen Nacht nach ihrem Tod kam ihm die Idee, den Leichnam vom Sterbebett zu entfernen und auf einem Sarkophag aufzubahren, so schön und kostbar, wie seine Hände es vermochten. Diese Vorstellung belebte ihn; er stand gegen elf Uhr auf, zog sich an und ging zu Grasso hinunter, mit dem er alte Freundschaft hielt. Die Türen des Magazins waren geschlossen; durch die Ritzen der Jalousien schimmerte ein trübrotes Licht und lag in feinen Linien auf dem Straßenpflaster. Herr Martin öffnete das breite Tor und stolperte über den stockfinsteren Hof; durch eine angelehnte Seitentür gelangte er in den langen Korridor, der direkt zum Magazin führte. Der Vorhang zum Magazin raschelte leise.

Nur mühsam fanden sich seine Augen zurecht. An den Wänden, in den Gängen, unter niedrigen Gewölben standen die Särge. Sie waren geöffnet. Sie standen da, nicht erwartungsvoll, nicht gierig, sondern mit geheimnisvoller Leere, in sich versunken, nur einige seufzend und schmachtend. Und im trübroten Flackern einer Lampe sah Herr Martin eine Bewegung in der Nische hinten und hörte Flüstern. Herr Grasso kniete dort vor einem Sarg, aus dem sich zwei weiße Arme hoben; Spitzenärmel fielen zurück. Herr Grasso beugte den Kopf tiefer und drückte sein Gesicht in die niedrigen Brüste einer Frau. Er murmelte: „Bessie“ und vieles, was sehr leise war; sie antwortete: „Ernesto“, lachte und weinte durcheinander; ihre Stimme klang sehr süß.

Herr Martin spürte sein Herz bis zum Hals schlagen; zutiefst erschrocken ging er rückwärts hinaus und vergaß sein Anliegen. Er lag, ehe er es wusste, im Bett, zog sich bei Tagesanbruch an und eilte zu Frau Grasso, die in der Küche stand, mit offenem Rock und sich, überrascht über den frühen Besuch, ein Tuch umlegte.

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Sie war zunächst ungläubig und beobachtete ihren Nachbarn, weil sie glaubte, er sei durch den Tod seiner jungen Frau verwirrt. Doch dann hielt sie mit dem Scheuern inne, stieß die Kaffeemühle auf den Steinboden, biss sich tief in den linken Unterarm und suchte in einer Schublade nach einem scharfen Küchenmesser, das sie wiederholt in die Holzwand der Küche stieß. Sie schrie, wem denn dieses gemeine Frauenzimmer ähnlich sähe, ob er denn so wenig Anteilnahme zeige, dass er nicht einmal eine Vermutung aussprechen könnte. Nach lautem, hemmungslosem Weinen erhob sie sich entschlossen und erklärte, sie werde diese Nacht selbst alles feststellen.

Und mit einer Sicherheit, die Herrn Martin in Staunen versetzte, riss sie die Wohnungstür auf, rief ihren Mann herein und sagte ihm, während sie zum Fenster hinausschaute und ihr dichtes schwarzes Haar flocht, Herr Martin habe ihr mitgeteilt, dass ihre Mutter in Starton, einem Vorort, erkrankt sei; sie müsse für zwei bis drei Tage dorthin. Dann setzten sich die drei schweigend im Wohnzimmer an den Kaffeetisch, wo Frau Grasso mehrmals stark zitterte und einmal die Tasse auf den Boden fallen ließ. Herr Grasso meinte, das bedeute Glück für ihre Mutter.

Abends gegen zehn Uhr schlüpfte sie, nachdem sie den Tag über in der Wohnung des Herrn Martin dessen kleine Kinder betreut hatte, über die dunkle Straße in den Hof. Sie sah durch das offene Fenster Herrn Grasso allein im erleuchteten Wohnzimmer auf dem Sofa sitzen; mit traurigem Gesicht, zusammengesunken, starrte er vor sich hin. Der schwerfällige Mann bewegte seine Lippen; sein faltiges Gesicht war schlaff; als er zum Fenster schaute, schwammen seine entzündeten Augen in Tränen.

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Illustration till Die Helferin

In einem schmalen Sarg dicht an der Tür lag sie. Ihre Zähne klapperten; ihre Hände zitterten so, dass sie das Küchenmesser kaum festhalten konnte. Kurz vor elf Uhr kam ein Schritt über den Korridor, weich und schlurfend; leicht rauschte der Vorhang. Ein kleines Licht flackerte, und mit einem Blick erkannte sie Mike Bondi. Sie hatte ihn tausendmal gesehen, sie kannte seine leicht gebeugte Haltung, die glatten Haare auf der weißen, niedrigen Stirn, die gesenkten Lider. Doch jetzt erfüllte ihr sein lautloser Gang Entsetzen. Sie fühlte sich wie gelähmt. Das war nicht der Gang eines Menschen. Sie musste sich zwingen, den Arm auf den Mund zu pressen, um nicht zu kreischen.

Er drückte das Licht mit einem Finger aus, als er an ihr vorüberging. Sie schloss die Augen, und als sie die Lider hob, sah sie Mike Bondi nicht mehr. Aber dort, wohin er gegangen war, stand in der Dunkelheit ein weißer Schein, ein lautlos gehendes, gebeugtes Skelett bewegte sich langsam weiter, schlurfte der Tod persönlich. Sie sah noch den Schein über einem Sarg, in den er sich geschwungen hatte. Da hallte der schwere Schritt von Herrn Grasso durch das Gewölbe; er ging an der Frau vorüber, die mit einer Ohnmacht kämpfte, und zündete die Öllampe an. Frau Grasso richtete sich auf, das Messer zwischen den Zähnen, kroch hinter dem riesenhaften Mann her und hielt sich bei jedem Schritt an Pfeilern und Mauer fest.

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Vor dem Sarg, in den sich das Gespenst geschwungen hatte, warf sich der breite Mann nieder; zwei weiße Arme hoben sich ihm entgegen; sie sah zurückprallend die offene Jacke und die niedrigen, mädchenhaften Brüste, in die sich ein faltiges, nasses Gesicht vergrub. Sie sah das stille Mädchengesicht von Mike Bondi sich aufrichten, und während sie zur Tür zurückwich, sah sie, wie Mike den Gebrochenen mit zarten Abschiedsworten an sich zog und wie sie sich umarmten. Sie hatte noch die Kraft, sich in die Küche zu schleppen. Zwei Stunden lag sie bewusstlos. Die restliche Nacht verbrachte sie auf der Polizeiwache, wo man die Frau für krank hielt. Erst am nächsten Morgen, als der Rechtsanwalt Martin geholt wurde, begleiteten zwei Beamte sie in die Wohnung und verhafteten den Besitzer und Bondi, die keinen Widerstand leisteten.

Herr Grasso schwieg bei den folgenden Verhandlungen völlig. Die körperliche Untersuchung Bondis ergab, dass man es mit einem zwanzigjährigen Mädchen zu tun hatte. Man konnte nicht feststellen, wer sie wirklich war. Erst bei einem Ortstermin, der drei Wochen später in Grassos Gewölbe stattfand, redete sie. Sie sagte von vornherein, man würde ihr kein Wort glauben, und erzählte, sie heiße Bessie Bennet und stamme aus Senn Fair bei New York. Sie habe vor achtzig Jahren dort gelebt; mit zwanzig Jahren sei sie an Schwindsucht erkrankt und im Krankenhaus gelegen. Sie sei unsäglich ungern vom Leben geschieden. Sie habe mit dem Tode gerungen wie nur wenige Menschen, habe nicht glauben wollen, dass sie sterben müsse, nur weil eine Lunge krank war, während sie selbst noch zum Bersten voller Lebenslust war. Die unbekannte Macht, deren Namen sie nicht nennen könne, sei von ihrem Stuhl aufgestanden und habe sie zu einer Dienerin des Todes gemacht.

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Sie durfte zurückkehren, aber nicht zum Tanz. Sie durfte im Namen der gütigen Macht töten, was fortgehen wollte; sie sollte die törichte Angst vor dem Sterben nehmen, die Menschen sanft machen und ihr Ende rasch herbeiführen. Sie sei als Helferin unter die Menschen geschickt und bringe den liebevollen Tod. Sie habe Herrn Grasso liebgewonnen, und es sei gut, dass sie jetzt schieden, denn sonst müsste sie bald für immer seinetwegen sterben.

Es bestätigte sich, dass eine Bessie Bennet vor etwa hundert Jahren in Senn Fair gelebt hatte und mit zwanzig Jahren im dortigen Krankenhaus gestorben war; ihre Leiche verschwand jedoch auf merkwürdige Weise auf dem Weg zur Autopsie; zwei Krankenschwestern wurden wegen Pflichtverletzung entlassen, trotz ihrer Beteuerungen; alle Nachforschungen blieben erfolglos.

Als die Richter bei einem zweiten Ortstermin die Erkenntnisse abwogen, erhoben sie gegen Bessie Bennet, genannt Mike Bondi, Anklage wegen Giftmordes in unzähligen Fällen. Sie forderten sie auf, unverzüglich das Pulver vorzuzeigen, das sie verwendet habe; andernfalls wolle man sie auf die Folter spannen, da ihre Verbrechen so abscheulich seien. Auch ordneten sie an, sie solle ihr betuliches Wesen ablegen und den Richtern frei ins Gesicht sehen. Bessie, in dem schwarzen Anzug, den sie immer trug, lächelte, aber ihre niedrige Stirn wurde rot; sie bat, man möge ihr die Handschellen abnehmen und sie gehen lassen. Die Richter, wütend über den Hohn, schickten nach den Schergen, um sie auszupeitschen.

Auch die vielen Zuhörer bei der Vernehmung packte eine unbezähmbare Wut gegen das teuflische Giftmischerin; sie machten Anstalten, sich von ihren Plätzen zu erheben und auf die Schamlose loszugehen; die Richter verloren die Kontrolle über die Menge. Bessie trat noch einmal vor die Richter, sagte leise, ihre gefesselten Hände vorzeigend, sie habe keine Zeit; man möge ihr doch die Stricke abnehmen und sie hinauslassen.

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Ein roher Kerl schlug ihr von hinten auf die Schulter; der Pöbel tobte über die Beute her. In diesem Augenblick legte sich über alle Brust eine plötzliche Beklemmung. Einer schlug keuchend ein Fenster ein, die frische Luft half ihm nicht. Ein Richter stürzte mit blauen Lippen zur Tür auf die Straße und fiel zu Boden. Die zehn Richter saßen wie schlafend auf ihren Stühlen. Eine alte Stille herrschte für einen Augenblick in dem Gewölbe, nur unterbrochen vom hallenden Aufprall der Körper. Die Zuhörer stürzten nach vorn über die Bänke. Die Schwarzhaarige ließ ihre weit geöffneten Augen schweifen. Sie pfiff wütend und scharf durch die Zähne.

Ein Mann taumelte von draußen herein und packte ihren Arm. Sie berührte sein Haar, blies gegen seine Füße; das Feuer loderte an ihm empor; unter heiserem Geschrei stolperte er zurück und krachte auf den Boden.

Illustration till Die Helferin

Die Schwarzhaarige hatte sich selbst zusammengekrümmt. Sie brannte, richtete sich auf, berührte ihre Schläfen, und mitten im weiten Gewölbe stehend, ging sie in einer schwarzen Flamme gegen die Decke auf, stieg in einer qualmenden Feuersäule über das Haus.

Der schwere Dampf erstickte die Menschen in allen Straßen der Umgebung. Genau zwei Stunden wütete das unerhört entsetzliche Feuer; etwa sechshundert Menschen, Kinder und Frauen, verbrannten.

Dann lag der gesamte Stadtteil in Schutt. Tagelang näherte sich niemand den giftigen Dämpfen. Richter und Angeklagte waren gleichzeitig verschwunden. Den liebevollen Tod sah man von nun an nicht mehr durch die Straßen gehen, gefolgt von seinem weißen, riesigen Windhund, der so lautlos wie er schritt und mit leeren Augen um sich blickte. Stattdessen sollen Kranke in ihrem Fieber angegeben haben, dass das ungezähmte weiße Tier sich auf ihre Brust schwang, sie mit seinen leeren Augen ängstigte und mit seinen langen Zähnen ihre Kehle eindrückte.

Die Fabel vom liebevollen Tod und von der Vertreibung seiner Gehilfin blieb im Lande lebendig.

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