Pauline HannEin Unglücksmensch

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Ein Unglücksmensch

Pauline Hann

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Lauf: 2026-09-08 09:28Seite 1 / 9

Klaus Henning hatte die feste Vorahnung, dass ein Unglück geschehen würde – und das war nicht das erste Mal. Er unterschied sich von anderen Menschen, die eine warnende Stimme in sich trugen, dadurch, dass seine Vorahnungen immer eintrafen. Einmal, als er diese innere Stimme hörte, ging er durch die Friedrichstraße, stolperte gegen ein Schaufenster und musste mit zerschnittenem Gesicht und verletzten Händen Schadenersatz zahlen. Ein anderes Mal wollte er mit einem reizenden Fräulein auf der Rousseau-Insel Schlittschuh laufen und riss sie mit zu Boden. Dabei fuhr ihm ein fremder Schlittschuh über die Finger, sodass sie für Monate unbrauchbar waren. Und da das neue Kleid seiner Begleitung einige klaffende Risse bekam (was sie schwerer zu nehmen schien als seine Verletzung, die ihm zunächst vier Finger kosten sollte), wurde sie von diesem Zeitpunkt an seine Todfeindin.

Kurz, es war leicht, seine abergläubische Angst zu verspotten, aber so oft sich jenes dunkle Gefühl in seinem Inneren regte – und das geschah fast jedes Mal, bevor er sich unter Menschen mischte – gab es Schaden für die Zeitgenossen und Spott für ihn.

Seine Hauswirtin sah ihn denn auch nur ungern den Reisekoffer packen.

»Wollen Sie wirklich fort, Herr Henning?«, seufzte sie. »Denken Sie an mich – Sie kommen nicht unversehrt nach Hause.«

Er wusste, dass sie recht hatte, aber die Hitze war unerträglich, er sehnte sich nach einem Wellenbad, und da die Geschäftsstille ihm Ferien erlaubte, wollte er einen kurzen Aufenthalt am Meer nehmen. Jeder weniger Erfahrene hätte geglaubt, die schwarzen Vorahnungen hätten sich erfüllt, als sein neuer Reiseanzug, gleich nachdem er das Haus verlassen hatte, von oben bis unten mit Ölfarbe bespritzt wurde, die ein unachtsamer Anstreicher von seiner Leiter tropfen ließ, oder als ihm der Eisenbahnzug davonfuhr und er mehrere Stunden warten musste. Er aber kannte den Kobold, der sein Spiel mit ihm trieb, besser, als dass er gehofft hätte, mit solchen Kleinigkeiten davonzukommen.

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Auch als er unmittelbar nach der Abfahrt mächtige Rauchsäulen aus der Richtung, in der sein Farbenmagazin lag, aufsteigen sah, erfüllte ihn nicht die beruhigende Überzeugung, seinen Zoll entrichtet zu haben, denn bei näherer Überlegung schien es ihm äußerst unwahrscheinlich, dass sein Geschäft abbrannte, während er nicht dabei war, um sich schwere Verletzungen zu holen. Äußerst unwahrscheinlich, nach seinen bisherigen Erfahrungen sogar völlig undenkbar. Vom Augenblick an, da er die Tür seines Warenlagers hinter sich geschlossen hatte, konnte die Versicherungsgesellschaft ruhig schlafen.

Er wollte sich in Sassnitz nicht unter die Badegäste mischen, denn er konnte sicher damit rechnen, das erste Glas Rotwein, das er zum Mund führen wollte, über das Kleid seiner Nachbarin oder wenigstens über das Tischtuch zu gießen, jeden Stuhl mit nervenerschütterndem Poltern umzuwerfen, seinen Hut vor allen Augen ins Wasser fliegen zu sehen und all die kleinen Zwischenfälle zu erleben, die an sich geringfügig erscheinen, ihn aber zum Gegenstand allgemeinen Gelächters machen mussten.

Im vergangenen Spätherbst hatte er einige Tage in einem Gasthaus außerhalb des Kurorts verbracht, dessen Wirtin im Sommer eine kleine Kolonie von Städtern beherbergte. Damals waren die letzten Fremden, erschreckt durch ein paar raue, stürmische Tage, geflohen, und so verband sich für ihn mit dem Aufenthalt in dem bescheidenen Häuschen am Strand die Vorstellung von erquickender Ruhe und Geräuschlosigkeit. Auch schien der Kobold, der ihn verfolgte, an der Grenze von Flemings Herrschaftsbereich die Waffen zu strecken. Klaus ging mit den Haessöhnen fischen und brachte Beute heim, was ihm nie zuvor passiert war; er kreuzte in einer Nussschale von Segelboot die Küste entlang und sah nicht einmal den Kiel nach oben kentern; er ruderte stundenlang in einem Nachen und brach kein Ruder. Nach diesem stillen Hafen des Glücks richtete er nun seine Schritte. Ach, das war nicht mehr das erträumte Paradies!

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Auf dem Vorplatz, der mit spärlichem Grün bedeckt vor dem Haus lag, spielte eine Gesellschaft junger Leute Croquet; vom Wasser her erschollen laute Kinderstimmen; auf der Holzbank im Schatten des Hauses saßen behäbige Matronen. Henning hatte die Absicht, bei diesem Anblick umzukehren und sich ungesehen davonzuschleichen, aber die Wirtin kam mit ausgestreckten Händen auf ihn zu und rief:

»Das Haus ist zwar gesteckt voll, aber für Sie schaffen wir noch Raum.«

Er wollte murmeln, dass er nur einen Tag bleiben und dann seinen Stab weitersetzen wolle; da fiel sein Blick auf ein junges Mädchen, die soeben ihren Ball mit dem Hammer so unglücklich getroffen hatte, dass er, statt durch den Draht, gegen seine Füße rollte. Purpurrot kam sie auf ihn zu und bat um Entschuldigung.

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Sie hatte ein Gesicht, wie es die Natur nur in besonders guter Laune formt, die zartesten Farben, die treuherzigsten blauen Augen und das Haar, das sie, wohl nach einem Wellenbad, gelöst trug, von glänzendem Blond. Und dann behielt er seine Bemerkungen für sich, ließ Frau Fleming für sein Obdach sorgen und schwang den Hammer, ohne zu befürchten, dass seine Bälle einem Mitmenschen das Lebenslicht ausblasen würden. Auch bei Tisch vergaß er alle seine Vorahnungen; er zitterte nicht vor dem Bratensaft, er reichte Fräulein Mathilde eine Tasse Tee, ohne sie zu verbrühen; kurz, er benahm sich, als wäre er nie ein Unglücksmensch gewesen.

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Freilich fing sein Elend noch am selben Abend wieder an. Die Hausfrau erzählte, um ihren Liebling aus dem Vorjahr ins günstigste Licht zu setzen, dass er das Segelboot wie ein alter Matrose zu handhaben verstehe. Die Damen versicherten, nichts gewähre ihnen ein solches Vergnügen wie eine Bootsfahrt; die Herren kündigten ihm ihre Begleitung für den nächsten Tag an; Mathilde, die ihn von Augenblick zu Augenblick mehr entzückte, sagte nichts, aber sie richtete ihre schönen blauen Augen bittend auf ihn. Ihm brach der Angstschweiß aus allen Poren; war er auserkoren, der Mörder all dieser braven Leute zu werden? Klaus war kein Salonmatrose; er hatte seine Knabenjahre in der Nähe von Bremerhaven verbracht und ein Boot zu beherrschen beinahe so früh gelernt wie das Abc. Auch ist das Segeln alles andere als eine Kunst – wenn das Fahrzeug etwas taugt, aber der Flemingsche Kronjuwel besaß einige Fehler.

Und was hilft alle Geschicklichkeit gegen die Tücke eines Kobolds! Der junge Mann ging nicht mit der Begeisterung auf den Vorschlag einer Segelpartie ein, die die Gesellschaft erwartet haben mochte. Vergeblich nannte man ihn von da an nur noch »Kapitän«; er bestand darauf, dass, wer nicht schwimmen könne, auf dem Festland bleiben müsse. Die Ängstlichen sahen darin einen Beweis, dass er sich nicht sicher fühle, und standen sogleich ab. Mathilde bekannte seufzend, sie könne seine Bedingung nicht erfüllen und müsse daher verzichten. Es wäre ihm das auserlesenste Vergnügen gewesen, sie über die Wellen zu fahren, aber er unterdrückte seinen Wunsch, indem er sich sagte, es sei gleichbedeutend mit kaltem Mord, sie zu einer Wasserfahrt mit einem Unglücksmenschen zu bewegen.

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Nur zwei Herren waren verwegen genug, sich seiner Führung anzuvertrauen. Es stellte ohne Zweifel eine Probefahrt dar. Klaus bestand sein Examen glänzend. Er fing an zu hoffen, dass der Tückebold auch diesmal vor Frau Flemings Königreich Halt gemacht habe. Sein Selbstvertrauen wuchs; denn als man landete, waren seine zwei Prüfungskommissare voll des Lobes für seine nautischen Künste. Da lud er Mathilde zu einer Segelfahrt für den nächsten Morgen ein. Ein ältlicher, gutmütiger Herr, der erst vor einigen Stunden angekommen war, stand neben ihr; Mathilde machte ihn, ihren Papa, mit dem jungen Mann bekannt, und nun verlebte dieser mit den zwei liebenswürdigen Menschen einen Abend, der ihm unvergesslich bleiben wird. Am nächsten Tage vertrauten sich außer Vater und Tochter noch einige der Sommergäste seiner Führung an. Auch diesmal verlief die Expedition prächtig.

Auf dem Land war es erstickend heiß gewesen, nun wehte es die Gesellschaft kühl und belebend an, und eine leichte Brise trug das Boot wie auf Schwingen über das Wasser.

Alle versicherten, nie angenehmere Stunden verbracht zu haben, und, was ihm wertvoller schien, Mathilde drückte ihm dankbar, mit vor Vergnügen leuchtenden Augen, die Hand. Da versuchte er die Götter und versprach ihr eine Wiederholung.

Es war ein glorreicher, glückverheißender Tag. Da man in Frau Flemings Herrschaftsbereich eine einschnürende Etikette nicht kannte, ging das Pärchen allein an den Strand. So gut, wie Klaus es sich vorgestellt hatte, sollte es ihm freilich nicht werden. Die Insassen des Hauses hielten zwar ihr Nachmittagsschläfchen, aber die liebenswürdigen Kommissare, die diesmal vermutlich seine Geduld wie zuvor seine seemännischen Fähigkeiten prüfen wollten, kamen eilfertig herbei, um ihren Anteil am Vergnügen zu beanspruchen. Da sie ihn sozusagen entdeckt hatten, bewahrten sie ihm ein gewisses gönnerhaftes Wohlwollen, das er jedoch in jenem Augenblick nicht voll zu schätzen verstand. Allein sie störten nicht; sie tauschten ihre Bemerkungen, machten sich beim Steuer unnütz oder starrten ins Wasser. Klaus konnte ungehindert mit seiner Herzensdame flüstern.

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Vielleicht hatte er sich zu tief in die blauen Augen versenkt, vielleicht hatten ihn die zwei Probefahrten übermütig gemacht, am wahrscheinlichsten aber ist, dass sein Kobold es überdrüssig war, unbeschäftigt im Winkel zu stehen, und dass er in dem Augenblick hervorsprang, in dem er den Unglücksmenschen am härtesten treffen konnte.

Das Boot war nicht so leicht zu regieren wie sonst; die Brise wehte scharf, und mehr als einmal schlug das Wasser hinein, sodass alle durchnässt wurden. Und Klaus war zerstreut; er hatte Mathilde in ihren Gummimantel gewickelt, und als sie ihm zum Dank die Hand reichte, behielt er sie länger als vernünftig in der seinen.

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Er hielt sie noch, als der Boden unter ihnen wich, die kalte, salzige Flut auf sie einströmte und das Boot mit dem Kiel nach oben vor ihnen trieb. Ein plötzlicher Windstoß musste es getroffen und zum Kentern gebracht haben. Sie sanken, doch verließ den Unglücksmenschen die Besinnung nicht; er legte den linken Arm um Mathilde und brachte sie nach oben.

Sie war die Selbstbeherrschung in Person; sie klammerte sich nicht an ihn und behinderte seine Bewegungen nicht, und so gelang es ihm nach einiger Anstrengung, den Kiel seines Bootes zu erreichen und einen Stützpunkt für sich und seine schöne Schützling zu gewinnen. Die beiden Genossen sah er rüstig und unverletzt zur Küste schwimmen. Sie war nicht fern, aber bei der starken Strömung zum Meer hin wäre jeder Versuch, sie mit Mathilde im Arm zu erreichen, aussichtslos gewesen. Zahlreiche Boote kreuzten das Wasser; entweder nahm eines davon sie auf, oder die beiden Geretteten lösten am Strand, der förmlich in Rufweite vor ihnen lag, ein Ruderboot und kamen den Genossen zu Hilfe. Wenn Klaus nur bis dahin durchhalten konnte, wenn nur sein Arm, der steif wie der eines Toten wurde, das junge Mädchen über Wasser hielt! Blass und mit geschlossenen Augen lag sie an seiner Brust. Eine wahnsinnige Reue ergriff ihn.

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Wusste er nicht voraus, dass alles, was er anfasste, zu Schaden kam? Wie hatte er so verwegen, nein, so verrucht sein können, dieses holde Geschöpf, das einzige Kind und das einzige Glück ihres Vaters, mit sich ins Unglück zu reißen? Sein Selbstvorwurf machte sich auf wildeste Weise Luft.

So vergingen endlose Minuten. Das Boot trieb ins Meer hinaus, und in mutloser Verzweiflung gab Klaus seine Schützling und sich selbst verloren. Da hörte er lauten, ermutigenden Zuruf, warme Hände streckten sich nach ihm und Mathilden aus, und im nächsten Augenblick lagen die wasserdichten Planken einer Barke, die eine Gesellschaft Badegäste von der Stubbenkammer nach Sassnitz heimführte, zwischen ihnen und den tückischen Wellen. Das junge Mädchen war ohnmächtig geworden. Als sie, von den Damen, die im Boot waren, umringt, die Augen aufschlug, suchte sie mit den Augen ihren Begleiter; er las Zutrauen, ja Dankbarkeit – Dankbarkeit für ihn, der sie beinahe getötet hätte! – in ihnen und konnte den Blick nicht ertragen.

Sie fanden Frau Flemings Königreich in vollem Aufruhr. Die beiden Kommissare waren vor einer Weile angekommen, und wenn sie auch zu Mathildens Rettung keinen Finger gerührt hatten, so zeigten sie sich jetzt eifrig bemüht, ihren Vater in die peinigendste Unruhe zu stürzen. Als sie nun in Hüllen, die ihr die Damen in der Barke aufgedrängt hatten, den Strand betrat, richtete sich, wie begreiflich, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sie. Ihr Papa drückte sie stürmisch an sich, dann wollte jede der Hausgenossinnen sie mit einem Kuss begrüßen, zuletzt drängten sich händeschüttelnd die Herren heran, niemand eifriger als die zwei Kommissare.

Klaus schlich sich unbeobachtet in sein Zimmer. Die anderen hatten wohl geahnt, dass er ein Unglücksmensch sei, denn sie hatten sich – so schien es ihm – ängstlich von ihm ferngehalten. Er wechselte seine nassen Kleider, packte das Köfferchen, und nachdem er die Adresse darauf befestigt und den Betrag, den er Frau Fleming schuldete, auf den Tisch gelegt hatte, drückte er sich, sachte wie ein Dieb, aus dem Haus und fuhr in die Glühhitze zurück.

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Seine Hauswirtin war sehr erstaunt, ihn ohne äußere Verletzung wiederzusehen. Wie tief es diesmal nach innen ging, ahnte sie nicht. Ein trübseliger Geselle ging er seinem Tagewerk nach; abends saß er missmutig unter den paar verstaubten, kläglichen Büschen des Hausgärtchens, ein Buch in der Hand, in dem er nicht las.

Da schlug einmal ein Gruß an sein Ohr. Vor ihm stand ein ältlicher, behäbiger Herr mit gutmütigem Gesicht. Klaus springt, wie von einer Feder emporgeschnellt, von der Bank auf – es war Mathildens Vater.

»Ausreißer!«, rief dieser ihm zu. »Es soll Ihnen nicht gelingen, sich meinem Dank zu entziehen. Wenn Sie auch heimlich wie ein flüchtiges Reh entwischten, Ihr Reisekoffer verriet mir, wo ich den Lebensretter meiner Tochter zu suchen habe.« Ihren Lebensretter! Dabei drückt er dem Sprachlosen die Hand, und seine ehrliche Stimme zittert in unterdrückter Bewegung. »Was wäre aus ihr, was wäre aus mir geworden, wenn Sie, so selbstsüchtig wie die beiden anderen, nur auf Rettung des eigenen Lebens bedacht, ans Land geschwommen wären? Ohne Sie wäre ich heute ein einsamer, gebrochener Mann! Es gibt noch Helden im bürgerlichen Leben!«

Klaus suchte abzuwehren. Er sprach von dem Unrecht, das er begangen habe, er, ein Unglücksmensch, als er Mathilden zur Segelfahrt einlud. Aber es kam nicht viel Zusammenhängendes über seine Lippen. Für etwas gepriesen zu werden, für das er den härtesten Tadel zu verdienen geglaubt hatte, von Mathildens Vater in den Himmel gehoben zu werden, ein Held genannt zu werden, das betäubte ihn, als hätte er jungen Wein getrunken.

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»Ich weiß, dass nur Ihr Taktgefühl Sie veranlasste, sich unserem Dank zu entziehen«, fuhr Herr Hilgendorf fort, »allein ganz recht war es nicht: Mathilde ist untröstlich, weil Sie verschwanden, ohne zu hören, wie tief sie sich Ihnen für Ihre Aufopferung verpflichtet fühlt. Und ich glaube beinahe, dass ich sie nicht eher zufrieden sehen werde, als bis ich ihren Lebensretter mit Güte oder Gewalt in mein Haus geführt habe, damit sie den versäumten Dank nachhole.« Aber es bedurfte keiner Gewalt. Klaus ging gutwillig mit Herrn Hilgendorf. Mathilde kam ihm mit strahlenden Augen entgegen. Es war spät am Abend, als er, ein seliger Mensch, das gastliche Haus verließ, nicht ohne versprochen zu haben, bald, sehr bald, schon am nächsten Tag wiederzukommen.

Und zuletzt glaubte er gar nicht mehr daran, dass er ein Unglücksmensch sei; nein, er hielt sich für ein richtiges Sonntagskind, denn in der Ecke hinter dem Flügel hat ihm Mathilde gestern auf seine Frage geantwortet, dass sie keinem Menschen auf der Welt so gut sei wie ihm.

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